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Jetzt meldenRobert Habeck schüttelt den Kopf – und geht am Ende auf Alice Weidel los. Die erste Runde der Parteichefs nach der Bundestagswahl in Deutschland gibt zu reden. blue News liefert dir die Übersicht.
Es ist der erste grosse Schlagabtausch der Spitzenkräfte der grossen Parteien Deutschlands nach der Wahl. In der «Berliner Runde» bei ARD und ZDF treten die Parteichefs an, um sich den Fragen zu stellen und die Wahl zu analysieren.
Dabei kommt es zu einigen Momenten, die noch zu reden geben dürften. blue News liefert dir die Übersicht.

Die «Berliner Runde» am Sonntagabend.
Bild: Keystone
Ein verbaler Schlagabtausch zwischen CDU-Chef Friedrich Merz und Grünen-Politiker Robert Habeck sorgt gleich zu Beginn für Aufsehen.
Merz sprach am Samstag bei einer Kundgebung von «grünen und linken Spinnern», die «in der Welt herumlaufen würden.» «Die sollen da draussen rumlaufen, aber die haben mit der Mehrheit der Bevölkerung gar nichts zu tun», so Merz am Samstag.
Am Sonntag wird der Wahlsieger auf seine Aussage erneut angesprochen. Er habe sich an die Demonstranten gewandt, nicht an mögliche Koalitionspartner. «Ich habe die SPD als Partei nicht angegriffen, es gibt keinen Grund, sich zu beschweren», stellt er klar. Zugleich betont er die Bereitschaft zu «vernünftigen» Gesprächen mit SPD und Grünen.
Als Merz zu seinen Erläuterungen ansetzt, schüttelt Habeck demonstrativ den Kopf. Auf Nachfrage der Moderatoren reagiert er gereizt: «Ist doch egal jetzt, oder?» Merz kontert trocken: «Ach wissen Sie, ich bin ja auch nicht immer nur mit Wattebäuschen angefasst worden. Wenn sich jemand beschweren darf, dann ich.»

FDP-Chef Lindner dürfte sich verabschieden.
Bild: Keystone
FDP-Chef Christian Lindner überrascht mit einer klaren Ansage: Sollte seine Partei an der 5-Prozent-Hürde scheitern, werde er sich aus der Politik zurückziehen. «Ich sehe die aktuellen Ergebnisse und die Entwicklung. Die FDP soll, wenn wir es nicht schaffen, die Gelegenheit haben, sich neu aufzustellen. Dem stehe ich nicht im Weg.»
Der noch amtierende Bundeskanzler Olaf Scholz zieht ebenfalls Konsequenzen aus der Wahlniederlage. Auf die Frage, ob es ein Fehler gewesen sei, erneut anzutreten, antwortet er: «Das glaube ich nicht. Ich habe eine grosse Solidarität gespürt – aber wir haben klar verloren.» Er habe sich ausschliesslich für das Kanzleramt beworben, «und das ist mir nicht gelungen. Das bleibt in nächster Zeit auch so.» Damit steht fest: Scholz zieht sich wohl ebenfalls zurück.
AfD-Chefin Alice Weidel erklärt das Wahlergebnis ihrer Partei zum «riesigen Erfolg». «Wir sind erst seit zwölf Jahren aktiv, das ist ein riesiger Erfolg für uns», sagt sie und verweist darauf, dass eine Koalition mit der Union von vielen Wählern gewünscht sei. Doch Merz und CSU-Chef Markus Söder machen unmissverständlich klar, dass es dazu nicht kommen wird.

Alice Weidel am Sonntagabend.
Bild: Keystone
«Ich stelle nicht das Erbe von 75 Jahren Bundesrepublik auf die Probe wegen einer sogenannten Alternative», betont Merz. Söder ergänzt: «Raus aus dem Euro, näher an Russland – nee, da werden wir zu einem Vasallenstaat Russlands, das will niemand.»
Weidel zeigt sich daraufhin kampfeslustig. Da Merz eine Koalition mit der AfD ausschliesse, werde er krachend scheitern. «Wir werden nicht vier Jahre auf neue Wahlen warten müssen, weil Herr Merz nichts umsetzen können wird.» Der CDU-Chef kontert scharf: «Die AfD ist gar nicht an Lösungen interessiert, sondern fokussiert sich immer nur auf die Eskalation der Probleme. Dieses Spiel werde ich durchkreuzen.»
Auch zwischen CSU-Chef Markus Söder und Robert Habeck kommt es zu einer hitzigen Auseinandersetzung. Habeck spricht über sein umstrittenes Heizungsgesetz, das seiner Meinung nach die Grünen Stimmen gekostet habe – ebenso wie die jüngsten Anschläge in Deutschland.
Söder reagiert prompt: «Also, das ist ja völlig absurd, irgendwelche Wärmedämmungen mit Migration und Anschlägen zu vergleichen.» Und ergänzt mit Spott: «Vielleicht war es aber auch nur ein Versprecher.»
Die Diskussion eskaliert endgültig, als Alice Weidel die Schuldfrage im Ukraine-Krieg aufwirft. «Die Schuld wurde von Beginn an zu einseitig gestellt», sagt sie und fordert, die historische Perspektive Russlands stärker zu berücksichtigen.
Das lässt Habeck nicht stehen. «Es gucken ja Leute zu», unterbricht er sie. «Man überfällt kein Land.» Weidel entgegnet: «Was ist denn Ihre Lösung?» Habeck bleibt klar: «Man kann Putin als Kriegstreiber nicht relativieren.»
Auch Söder stellt sich gegen Weidel: «Mit Geschichte solche Ereignisse zu relativieren, ist falsch. Es gibt für Mord und Tote überhaupt keine Begründung. Wir müssen unsere Werte verteidigen.» Sowohl Habeck als auch Söder stellen sich laut und entschieden gegen Weidel – die Moderatoren müssen den weiteren Schlagabtausch aus Zeitgründen unterbinden.
Merz hält die Einmischung der USA in den deutschen Wahlkampf für genauso schwerwiegend wie das Vorgehen Russlands. «Also die Interventionen aus Washington, die waren nicht weniger dramatisch und drastisch und letztendlich unverschämt wie die Interventionen, die wir von Moskau gesehen haben», sagt er.
Es sei klar, dass man der Ukraine weiter helfen müsse. «Ich hoffe, dass da irgendwer im Weissen Haus noch ein bisschen was überlegt und merkt, dass man nicht einfach mit Russland verhandeln kann», sagt Merz – ein Frontalangriff gegen Präsident Donald Trump. «Man muss gemeinsame Lösungen finden, und solange das nicht geht, müssen wir der Ukraine weiter helfen.»
Aber, gibt Merz auch zu bedenken: «Ich bin nicht sicher, wie sich die amerikanische Regierung in den nächsten Monaten zu diesem Krieg stellt.»